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Botschafter Manfred Huterer legte anlässlich des Volkstrauertages am 15.11.2020 einen Kranz auf dem Soldatenfriedhof Tarassowo nieder

16.11.2020 - Artikel
Volkstrauertag 2020
Volkstrauertag 2020© Deutsche Botschaft

In diesem Jahr stand die traditionelle Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag im Zeichen der Pandemie. Botschafter Manfred Huterer legte auf dem Soldatenfriedhof Tarassowo bei Minsk im kleinen Kreis einen Kranz nieder und gedachte mit einem Totengedenken den Opfern beider Weltkriege sowie von Gewaltherrschaft.

Volkstrauertag 2020
Volkstrauertag 2020© Deutsche Botschaft

Mit dem nachfolgenden Grußwort wendet sich Botschafter Huterer an alle Leser.

Meine Damen und Herren,

der Volkstrauertag gibt uns alljährlich die Möglichkeit, uns mit dem Leid, das durch Kriege und Gewaltherrschaft verursacht wurde, auseinanderzusetzen. Er verpflichtet uns, das Vergangene nicht zu vergessen und all jener zu gedenken, die unter Unmenschlichkeit leiden mussten.

Volkstrauertag 2020
Volkstrauertag 2020© Deutsche Botschaft

Wir alle brauchen diese Momente des Innehaltens, genauso wie wir Orte des Mahnens brauchen. Gedenktage wie Denkmale bringen zum Ausdruck, welche Ereignisse und Erfahrungen unserer Geschichte wir im Bewusstsein auch künftiger Generationen bewahren und lebendig halten wollen und müssen.

Volkstrauertag 2020
Volkstrauertag 2020© Deutsche Botschaft

Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker. Wir gedenken insbesondere der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Volkstrauertag 2020
Volkstrauertag 2020© Deutsche Botschaft

Belarus war grausamer Schauplatz des 2. Weltkriegs mit fast 3 Millionen belarussischen Toten. Mit dem barbarischen Vernichtungskrieg Hitler-Deutschlands gegen die Sowjetunion erreichte das systematische Morden gerade hier eine präzedenzlose Dimension. Das dürfen und werden wir Deutsche nie vergessen.

Der Volkstrauertag stand in diesem Jahr unter dem Zeichen der Pandemie und konnte nicht im größeren Kreis begangen werden. Ich habe gemeinsam mit dem Verteidigungsattaché, Vertretern des Volksbundes und des belarussischen Außenministerium einen Kranz auf dem Friedhof Tarassova niedergelegt. An diesem Ort befinden sich die Gräber von 1098 deutschen Kriegsgefangenen des 2. Weltkrieges, die fern ihrer Heimat ihr Leben verloren haben. Unweit dieser deutschen Grabstätte befinden sich auch drei Gräber belarussischer Widerstandskämpfer und Soldaten. Diese 14 Menschen haben sich der Besatzungsmacht widersetzt und dabei ihr Leben verloren – auch ihnen galt unser Gedenken.

Meine Damen und Herren,

seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind über 75 Jahre vergangen. Der Krieg ist ein ferner, aber kein abgeschlossener Teil unserer Vergangenheit. Die furchtbare Erfahrung seiner Schrecken ist Teil unserer Identität wie unserer Sehnsucht nach Frieden.

Und trotz all dieser Schrecken der Weltkriege wurden seit 1945 erneut Hunderte von Kriegen überall auf der Welt geführt. Millionen von Menschen wurden Opfer - Opfer von Krieg, Verfolgung, Vertreibung, fanatischem Terror. Und nach wie vor ist Gewalt weltweit verbreitet, um andere - einzelne Menschen, Gruppen oder Staaten - zu unterdrücken. Es ist gerade unsere besondere deutsche Verantwortung und Verpflichtung, gegen jede Form von Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit sowie gegen Gewalt vorzugehen. Nie wieder dürfen Staat und Gesellschaft es zulassen, dass Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer politischen Einstellung und ihrer sexuellen Orientierung verachtet, gedemütigt oder bedroht werden. Mit Gewalt lassen sich keine Probleme lösen. Dies gilt in den Beziehungen von Staaten untereinander, aber auch innerhalb von Staaten und Gesellschaften.

Wir Nachgeborenen haben versprochen und bekräftigen, dass wir die Schrecken der Geschichte nicht vergessen werden, dass wir die Erinnerung an sie bewahren und die Lehren aus ihr in Zukunft ziehen werden. Heute gilt – fast schon mehr denn je – Widerstand gegen das Vergessen zu mobilisieren und dem „Nie wieder Krieg“ eine über Generationsgrenzen hinweg feste Verankerung zu geben.

Erinnerungskultur ist die bewusste Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ob wir die Lektionen der Vergangenheit wirklich gelernt haben, ist noch offen. Aber wir entscheiden mit darüber, wie das 21. Jahrhundert verlaufen wird. Der Volkstrauertag ist ein Tag der Erinnerung und der Besinnung: der Erinnerung an Krieg und Gewalt und des Gedenkens an die Toten.

Wir verneigen uns in Trauer vor ihnen und bleiben ihnen verbunden in der dauerhaften Verpflichtung für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit.

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