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Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag am 27.01.2020

27.01.2020 - Artikel

Am 27. Januar - dem Tag des Gedenkens an den Holocaust - fand im Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges eine Veranstaltung anlässlich der Eröffnung der Ausstellung zum Gedenken an die Opfer der Shoah und zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz auf Einladung des blr. Außenministeriums statt.

Neben dem stellvertretenden Außenminister der Republik Belarus Dapkjunas, dem israelischen Botschafter Shoham und dem russischen Botschafter Mesenzew hielt Botschafter Huterer ein Grußwort.

Außerdem fand in der IBB Minsk das Forum „Probleme mit der Toleranz in den modernen Gesellschaften“ statt. An der Veranstaltung nahmen Botschafter aus europäischen Ländern, Vertreter der diplomatischen Missionen und unterschiedlicher Konfessionen sowie ehemalige KZ-Häftlinge teil.

Grußwort von Botschafter Huterer während der Veranstaltung im Museum der Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges

Sehr geehrter Stellvertretender Außenminister Dapkjunas,

sehr geehrter Direktor Woropajew,

Exzellenzen,

Meine Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung und die Möglichkeit, hier vor Ihnen zu sprechen.

Wir erinnern heute an die Befreiung von Auschwitz durch sowjetische Truppen vor 75 Jahren. An diesem Tag der Befreiung des größten Todeslagers gedenken wir aller Opfer der deutschen nationalsozialistischen Diktatur.

Auschwitz steht für den Zivilisationsbruch der Shoah, den millionenfachen Massenmord an den Jüdinnen und Juden Europas.

Auschwitz steht ebenso für das unermessliche Leid, das Polen, sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma sowie Menschen aus vielen anderen Ländern Europas durch die deutschen Nationalsozialisten erfahren haben.

Aber gerade auch viele Orte auf belarussischem Boden – das Minsker Ghetto, Malyj Trostenez, Chatyn und andere – waren Stätten nationalsozialistischer Verbrechen.

Belarus hat besonders unter der deutschen Okkupation gelitten. Das systematische Morden auf belarussischem Gebiet hat mit dem Beginn des von Deutschland entfachten Vernichtungskriegs gegen die Sowjetunion beispiellose Ausmaße erreicht.

Was Menschen durch Hunger, Krankheit, Zwangsarbeit und schließlich die perfide Ermordung in Gaskammern und durch Massenerschießungen erlitten haben, lässt sich kaum in Worte fassen. Die Ausstellung, die heute eröffnet wird, gibt dem Leid ein Gesicht.

Wir Deutschen empfinden tiefe Scham angesichts der barbarischen Verbrechen, die hier von Deutschen verübt wurden – Verbrechen, die die Grenzen alles Fassbaren überschreiten.

An die Verbrechen zu erinnern, die Täter zu nennen und den Opfern ein würdiges Gedenken zu bewahren – das ist eine Verantwortung, die nicht endet.

Bundespräsident Steinmeier sagte in seiner Rede letzte Woche in Yad Vashem: „Unsere deutsche Verantwortung vergeht nicht. Ihr wollen wir gerecht werden. An ihr sollt Ihr uns messen“.

Leider leben wir in einer Zeit, in der die Gefahr besteht, dass tot geglaubte Dämonen der Vergangenheit wiedererwachen.

Wir sind schockiert, dass Antisemitismus in Deutschland, aber auch in anderen Teilen der Welt wieder zunimmt. Der Angriff auf die jüdische Gemeinde in Halle hat die Menschen in Deutschland tief getroffen und war ein Weckruf.

Wir müssen nicht nur roher antisemitischer Gewalt entschieden entgegentreten, sondern auch jeglicher Form von Hetze, Leugnung und Verharmlosung des Holocausts. Antisemitismus bedroht unsere Demokratie und pluralistische Gesellschaft als Ganzes.

Aus unserer Geschichte ergibt sich für uns Deutsche die besondere Verantwortung und Verpflichtung, gegen jede Form von Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

Nie wieder dürfen Staat und Gesellschaft zulassen, dass Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer politischen Einstellung, wegen ihrer Andersartigkeit zum Feindbild einer schweigenden Mehrheit gemacht, verachtet, gedemütigt oder bedroht werden.

Deutschland übernimmt im März diesen Jahres für ein Jahr den Vorsitz der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (International Holocaust Remembrance Alliance).

Schwerpunkt unserer Arbeit wird dabei sein, der zunehmenden historischen Unkenntnis und Trivialisierung des Holocausts entgegenzuwirken.

Erschrocken über das, was in Auschwitz passiert ist, hat die Welt bereits einmal aus der Geschichte eine Lehre gezogen und eine Weltordnung geschaffen, die sich auf Menschenrechte und das Völkerrecht stützt.

Wir bekennen uns zu dieser Ordnung und wollen sie gemeinsam mit Ihnen verteidigen.

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