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Grußwort des Botschafters Manfred Huterer anlässlich des 30. Jahrestages der Deutschen Einheit

Botschafter Manfred Huterer

Botschafter Manfred Huterer, © Deutsche Botschaft

03.10.2020 - Artikel

Sehr geehrte Damen und Herren, 
heute ist ein besonderer Tag für uns Deutsche. Am 3. Oktober 1990 vollzog sich die Wiedervereinigung Deutschlands – friedlich und im Einvernehmen mit unseren Nachbarn und Partnern.

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute ist ein besonderer Tag für uns Deutsche. Am 3. Oktober 1990 vollzog sich die Wiedervereinigung Deutschlands – friedlich und im Einvernehmen mit unseren Nachbarn und Partnern. Damit endete die vier Jahrzehnte währende Teilung unseres Landes durch Mauer und Stacheldraht.

Der staatlichen Wiedervereinigung war eine friedliche Revolution im Ostteil unseres Landes vorausgegangen, die in dem Fall der Mauer am 9. November  kulminierte. Sie war ein Werk von Menschen, die an sich und die Kraft der Freiheit und Selbstbestimmung glaubten.

Damals, nach dem Ende des Kalten Krieges, gab es viele Hoffnungen, nicht nur auf ein Zusammenwachsen von Deutschland, sondern auch auf ein Europa ohne Trennlinien und Grenzen.

Beim Zusammenwachsen unseres Kontinents haben wir viel erreicht. Aber leider mussten wir auch feststellen, dass der Weg steiniger ist, als wir uns erhofft  haben. Und heute dominiert nicht Zuversicht, sondern Unsicherheit. Die Sicherheitslage hat sich deutlich verschlechtert, weltweit, aber auch in Europa.

In diesen Zeiten allgemeiner Verunsicherung brauchen wir mehr denn je feste und allgemeinverbindliche Regeln und einen stabilen Rahmen für die internationale Zusammenarbeit. Denn globale Probleme können nicht von einem Staat allein gelöst werden.

Deswegen setzt sich Deutschland dafür ein, die multilaterale Zusammenarbeit zu fördern. Dafür brauchen Deutschland und die Europäische Union Partner, gerade auch in unserer östlichen Nachbarschaft.

Ich bin davon überzeugt, dass Belarus für Deutschland und die Europäische Union solch ein Partner sein könnte.

Wir teilen mit Belarus ein herausragendes gemeinsames Interesse an der Aufrechterhaltung von Frieden, Sicherheit und Stabilität in Europa. Aufgrund seiner Lage mitten in Europa, an der Schnittstelle zwischen Ost und West, ist Belarus ganz besonders auf multilaterale Bindungen und feste Regeln angewiesen und  kann von ihnen profitieren.

Gerade deshalb kann ein souveränes, unabhängiges und prosperierendes Belarus eine wichtige Brücke zwischen Ost und West sein. Es ist aufgrund seiner Geschichte, Kultur und der Mentalität seiner Menschen geradezu prädestiniert dazu, eine solche Rolle zu spielen.

Meine Damen und Herren,

die deutsch-belarussischen Beziehungen und die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Belarus haben in den letzten Jahren eine positive Entwicklung genommen: politisch, wirtschaftlich, aber vor allem im Austausch zwischen unseren Zivilgesellschaften.

Dass die Beziehungen zwischen Deutschland und Belarus heute so eng und vielfältig sind, ist das Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen, vor allem aber der Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger von Belarus zur Versöhnung.

Angesichts dessen, was von Deutschen während des Zweiten Weltkriegs in Belarus an Verbrechen begangen wurde, kann man hier nur von einem Wunder der Versöhnung sprechen.

Deutschland bekennt sich uneingeschränkt zu seiner historischen Verantwortung. Diese tiefen Schatten gehören zu unseren Beziehungen, ebenso wie die hellen Seiten.

Meine Damen und Herren,

mit großer Sorge und Anteilnahme verfolgen wir Deutsche die Entwicklung in Belarus im Umfeld der Präsidentschaftswahlen vom 9. August 2020.   

Besonders besorgt sind wir über die Anwendung von Gewalt sowie massenhafte Inhaftierungen und  Repressionen gegen friedlich demonstrierende Menschen.

Eine friedliche Zukunft in Europa werden wir nur gestalten können, wenn sich die Staaten auch im Innern an fundamentale Prinzipien, an Menschen- und Bürgerrechte halten, zu denen sie sich national und international verpflichtet haben.

Ich hoffe sehr, dass es möglich sein wird, innerhalb von Belarus durch einen Dialog zwischen der Staatsmacht und der Bevölkerung zu einer Lösung der gegenwärtigen Krise zu kommen. Nur wer miteinander spricht und Zusammenarbeit lebt, wird Vertrauen schaffen.

Deutschland, die EU und die OSZE stehen bereit, dabei zu helfen.

Gerade weil wir in den letzten Jahren so viel Positives in unseren Beziehungen erreicht haben, haben wir jetzt auch sehr viel zu verlieren.

Lassen Sie uns daher weiter einen Weg des Dialogs und des Vertrauens gehen. Für eine friedliche Zukunft in Belarus und auf unserem gemeinsamen europäischen Kontinent.

Es lebe Deutschland. Es lebe Europa. Es lebe Belarus.

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